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Silikatfarbe auf Dispersionsfarbe: Was wirklich geht

Reinsilikatfarbe haftet nicht auf Dispersionsanstrichen. Sol-Silikatfarbe schon, wenn der Altanstrich fest sitzt. Welche Voraussetzungen gelten und wie sich das prüfen lässt.

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Rote Farbwanne mit Farbrolle auf einer strukturierten Oberfläche
Foto: IgorShubin / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Silikatfarbe lässt sich auf Dispersionsfarbe streichen, aber nur eine bestimmte Sorte: Sol-Silikatfarben (Dispersionssilikatfarben) mit weniger als 5 % organischem Anteil, etwa KEIM Soldalit, gelten laut Herstellermerkblatt als geeignet für tragfähige Dispersionsanstriche, direkt und ohne Haftbrücke. Reinsilikatfarbe hält auf Dispersion dagegen nicht.

Die Herstellerangaben stammen aus den Technischen Merkblättern von KEIM. Andere Hersteller können abweichende Freigaben haben, das Merkblatt des gewählten Produkts hat Vorrang. Die zitierten Soldalit-Merkblätter sind für Fassadenfarben formuliert. Für Innenräume gilt das jeweilige Innenprodukt-Merkblatt, das in dieser Recherche nicht ausgewertet wurde.

Kurzantwort: Welche Silikatfarbe geht auf Dispersion?

Entscheidend ist der Farbtyp, nicht das Wort „Silikat“ auf dem Eimer. Drei Varianten sind im Handel:

  • Reinsilikatfarbe (Zweikomponentenfarbe aus Farbpulver und Wasserglas-Fixativ): nur auf mineralischem Untergrund, ein Dispersionsanstrich muss vorher restlos entfernt werden.
  • Sol-Silikatfarbe (Kieselsol plus Wasserglas): auf tragfähigen Dispersionsanstrichen und Putzen freigegeben, wenn der Hersteller das ausdrücklich erlaubt.
  • Dispersionssilikatfarbe (Silikatfarbe mit geringem Kunststoffanteil): KEIM Soldalit erfüllt laut Merkblatt DIN 18363 Abs. 2.4.1 „Dispersionssilikatfarbe“ und hat einen organischen Anteil unter 5 %. Soldalit ist zugleich eine Sol-Silikatfarbe, beide Begriffe beschreiben hier dasselbe Produkt.

Ob eine Farbe auf Dispersion darf, steht im Merkblatt unter „Geeignete Untergründe“. Steht dort „dispersionsgebundene Anstriche“ und „tragfähig“, ist die Farbe freigegeben. Steht dort nur „mineralisch“, nicht.

Warum Reinsilikat auf Dispersion versagt

Reinsilikatfarbe ist laut KEIM auf mineralische Untergründe angewiesen: Sie bindet über das Wasserglas-Fixativ an den mineralischen Untergrund. Ein Dispersionsanstrich bietet diesen Untergrund nicht, deshalb schreibt der Hersteller vor, ihn restlos zu entfernen.

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KEIM beschreibt Purkristalat als Zweikomponentenfarbe nach DIN 18363 Abs. 2.4.1, bestimmt für mineralische, poröse und mechanisch stabile Untergründe, insbesondere Putze. Das Merkblatt (Stand 01/21) verlangt, alte filmbildende Anstriche mit KEIM Dispersionsentferner restlos zu entfernen, bevor Purkristalat aufgebracht wird.

Sol-Silikatfarben wie Soldalit (Kieselsol plus Wasserglas, organischer Anteil unter 5 %) sind von KEIM ausdrücklich für tragfähige Dispersionsanstriche freigegeben. Der pH-Wert liegt bei etwa 11, die Farbe ist also alkalisch. Entsprechende Schutzmaßnahmen sind sinnvoll, die genauen Vorgaben stehen im Merkblatt des Produkts.

Die drei Farbtypen im Vergleich

FarbtypBindemittelOrganischer AnteilAuf Dispersion?
Reinsilikat (KEIM Purkristalat)Wasserglas, 2 Komponenten0 %Nein, Altanstrich restlos entfernen
Sol-Silikat (KEIM Soldalit)Kieselsol + Wasserglas< 5 %Ja, bei tragfähigem Anstrich
DispersionsfarbeKunstharzkunstharzgebundennicht Teil der KEIM-Merkblätter

Die Angaben zu Purkristalat und Soldalit stammen aus den KEIM-Merkblättern. Die Zeile zur Dispersionsfarbe dient nur zum Vergleich und enthält keine Herstellerzahl. Für Dispersionssilikatfarben anderer Hersteller gelten deren eigene Freigaben. Bei manchen Produkten wird eine Grundierung verlangt, bei Soldalit nennt KEIM ausdrücklich keine Haftbrücke.

Altanstrich prüfen: Klebeband-, Kratz- und Kreidungstest

Auch das richtige Produkt scheitert auf einem losen Altanstrich. KEIM verlangt einen Untergrund, der trocken, tragfähig, kreidungsfrei, sauber und staubfrei ist. Drei einfache Tests geben vorab Auskunft:

  1. Klebebandtest: Kräftiges Gewebeklebeband auf eine trockene Wandstelle drücken und mit einem Ruck abziehen. Bleibt Farbe am Band hängen, ist der Anstrich nicht tragfähig. Mehrere Stellen testen, auch Ecken und Sockelbereich.
  2. Kratztest: Mit dem Fingernagel oder einer Münze über die Fläche kratzen. Platzt die Farbe schollenartig ab, ist der Anstrich nicht tragfähig und muss runter.
  3. Wischtest auf Kreidung: Mit der Hand oder einem dunklen Tuch kräftig über die Wand streichen. Färbt sich das Tuch hell, kreidet der Anstrich. Kreidende Flächen müssen nass gereinigt oder abgebürstet werden, bis nichts mehr abfärbt.

Die drei Tests sind Praxisverfahren und keine Normprüfungen. Zeitangaben nennt das Herstellermerkblatt dafür nicht. Sinnvoll ist, den Test vor dem Materialkauf zu machen und bei Zweifeln ein kleines Probefeld anzulegen. Dieses sollte vollständig durchtrocknen, bevor es mit dem Klebeband nachgeprüft wird.

Schritt für Schritt streichen

Die folgenden Schritte gelten für ein Sol-Silikatprodukt wie Soldalit mit freigegebenem Untergrund.

  1. Altanstrich testen, lose Stellen entfernen, Fläche abbürsten und staubfrei machen.
  2. Glas, Keramik und Naturstein abdecken. KEIM weist auf diese Abdeckpflicht im Merkblatt ausdrücklich hin.
  3. Verarbeitungsbedingungen prüfen: Luft- und Untergrundtemperatur mindestens 5 °C.
  4. Grundanstrich: im Normalfall unverdünnt oder mit höchstens 5 % Soldalit-Fixativ verdünnen, bei stark saugenden Untergründen bis höchstens 10 %.
  5. Trocknen lassen. Soldalit-ME ist laut Merkblatt frühestens nach 12 Stunden überarbeitbar (23 °C, 50 % relative Luftfeuchte).
  6. Schlussanstrich unverdünnt aufbringen.

Die Verarbeitungsangaben im Merkblatt des gewählten Produkts haben Vorrang vor allgemeinen Streichtipps.

Wann der Altanstrich runter muss

In vier Fällen führt kein Weg am Entfernen vorbei:

  • Der Altanstrich besteht den Klebebandtest nicht oder blättert. Ein nicht tragfähiger Altanstrich entspricht nicht der Untergrundanforderung des Herstellers.
  • Reinsilikatfarbe ist geplant. Sie braucht nach Herstellerangabe einen mineralischen Untergrund, der Dispersionsanstrich muss restlos weg.
  • Der Untergrund steht auf der Ausschlussliste. Soldalit ist laut Merkblatt nicht geeignet für Holz, plastoelastische Beschichtungen, verseifungsfähige Altuntergründe, nicht benetzbare Untergründe sowie horizontale oder geneigte bewitterte Flächen.
  • Der Altanstrich kreidet und lässt sich nicht sauber reinigen.

Alte Spachtelmassen und Putze in Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31.10.1993 können Asbest enthalten (Umweltbundesamt, BAuA). In unbeschädigtem Zustand geht davon laut BAuA in der Regel keine Gefährdung aus, die Gefahr entsteht beim Schleifen oder Abkratzen. Wer in einem solchen Haus den Altanstrich samt Untergrund abschleifen will, sollte vorher eine Probe untersuchen lassen.

Mengenbedarf und Rechenbeispiel

KEIM nennt für Soldalit einen Verbrauch von 0,35–0,5 kg/m² für einen zweimaligen Anstrich auf sehr glatten bis glatten Flächen. Bei einer Wandfläche von 40 m²:

  • 40 m² × 0,35 kg/m² = 14 kg
  • 40 m² × 0,5 kg/m² = 20 kg

Es sind also etwa 14–20 kg Farbe nötig. Rauer Putz, stark saugende Untergründe und Ausbesserungen erhöhen den Bedarf. Die Herstellerwerte beziehen sich auf die Fassadenfarbe. Das Innenprodukt kann abweichen, deshalb sollte der Verbrauch dort im jeweiligen Merkblatt nachgelesen werden.

Häufige Fehler

  • Reinsilikat auf Dispersion: Laut Hersteller ist Purkristalat für mineralische Untergründe bestimmt, ein Dispersionsanstrich muss restlos entfernt werden.
  • Merkblatt nicht gelesen: Produktnamen sind irreführend. „Silikatfarbe“ auf dem Eimer sagt nichts über die Freigabe für Dispersionsuntergründe.
  • Kreidung übersehen: Eine staubende Oberfläche trägt keine neue Schicht, auch wenn sie sonst fest wirkt.
  • Zu früh überstrichen: Der Grundanstrich braucht beim Soldalit-ME mindestens 12 Stunden (bei 23 °C und 50 % relativer Luftfeuchte).
  • Glas, Keramik und Naturstein nicht abgedeckt: KEIM schreibt das Abdecken im Merkblatt vor, die Farbe ist mit einem pH-Wert von etwa 11 alkalisch.
  • Zu kalt gestrichen: Unter 5 °C Luft- oder Untergrundtemperatur ist die Verarbeitung laut KEIM nicht vorgesehen.
  • Problemuntergründe ignoriert: Holz, Lack, elastische Beschichtungen und verseifungsfähige Altanstriche stehen auf der Ausschlussliste.

Fragen aus der Praxis

Kann man Dispersionsfarbe mit Silikatfarbe überstreichen?

Ja, aber nur mit Sol-Silikat- oder Dispersionssilikatfarbe, die der Hersteller für Dispersionsuntergründe freigibt. Reinsilikatfarbe ist dafür ungeeignet.

Was ist der Unterschied zwischen Dispersionsfarbe und Dispersionssilikatfarbe?

Dispersionsfarbe ist kunstharzgebunden. Dispersionssilikatfarbe nach DIN 18363 Abs. 2.4.1 enthält zusätzlich Wasserglas und hat einen organischen Anteil unter 5 %. Ob eine konkrete Farbe auf Dispersionsuntergründen freigegeben ist, steht im Merkblatt des Herstellers.

Kann man Silikatfarbe mit Abtönfarbe mischen?

Eine Herstellerangabe zum Abtönen lag dieser Recherche nicht vor. Abtönen sollte deshalb nur mit den Mitteln geschehen, die der Hersteller im Merkblatt für das Produkt nennt.

Was ist der Nachteil von Silikatfarben?

Aus den Merkblättern ergibt sich vor allem die enge Untergrundliste. Holz, elastische Beschichtungen und nicht benetzbare Flächen sind ausgeschlossen. Dazu kommen Abdeckpflicht für Glas und Keramik, Temperaturgrenze ab 5 °C und Schutzmaßnahmen gegen die alkalische Farbe.

Steht im Mietvertrag die Vorgabe „nur Silikatfarbe“, ist unklar, ob Dispersionssilikat sie erfüllt. Eine rechtliche Prüfung liegt dieser Recherche nicht vor; im Zweifel sollte vor dem Streichen beim Vermieter nachgefragt werden.

Fazit

Auf Dispersionsfarbe gehört keine Reinsilikatfarbe, sondern ein Sol-Silikat- oder Dispersionssilikatprodukt mit ausdrücklicher Freigabe für Dispersionsuntergründe. Zuerst den Altanstrich mit Klebeband- und Kreidungstest prüfen, dann das Merkblatt des gewählten Produkts auf Ausschlüsse durchgehen. Für ein Zimmer mit 40 m² Wandfläche rechnet KEIM bei Soldalit mit 14–20 kg Farbe. Im Zweifel hilft ein Probefeld, das nach dem Durchtrocknen den Klebebandtest bestehen muss. Wer mit Reinsilikat arbeiten will, muss den Dispersionsanstrich vollständig entfernen. In Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31.10.1993 sollte vor dem Abschleifen oder Abkratzen von Putz und Spachtelmasse eine Asbestprobe untersucht werden.

Quellen

  • KEIM · Technisches Merkblatt Purkristalat · Abruf 10/2026 · keim.com
  • KEIM · Technisches Merkblatt Purkristalat (Stand 01/21) · Abruf 10/2026 · profifarbe.net
  • KEIM · Technisches Merkblatt Soldalit · Abruf 10/2026 · keim.com
  • KEIM · Technisches Merkblatt Soldalit (Verarbeitung, Verbrauch, Ausschlüsse) · Abruf 10/2026 · keim.com
  • KEIM · Technisches Merkblatt Soldalit-ME (Stand 09/2022) · Abruf 10/2026 · farben-lindner.de
  • KEIM · Technisches Merkblatt Soldalit-ME (Abdeckhinweis) · Abruf 10/2026 · keim.com
  • Umweltbundesamt · Asbest · Abruf 10/2026 · umweltbundesamt.de
  • BAuA · Informationsplattform Asbest FAQ · Abruf 10/2026 · baua.de
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